1998   2000   News Übersicht
Weihnachten 1999

Liebe freunde,

Ich schreibe diesen weihnachtsbrief vom hotel in Boston aus, wo ich in dieser dritten adventswoche eine schulung besuche. Genauergesagt befinde ich mich in Cambridge direkt zwischen Harvard und dem MIT - den eliteuniversitaeten - und damit auf der Boston gegenueberliegenden seite des charles river. Dessen wellen reflektieren die lichter Bostons und waerend ich auf ihn hinuntersehe moechte ich das jahr in gedanken nochmal vorbeiziehen lassen.

Ke eroeffnete das jahr mit dem verkauf eines hauses in unserer nachbargemeinde Stamford. Nach langer durststrecke im vergangenen jahr war dieser erfolg nun schlechterdings unabwendbar. Fleiss, durchhaltevermoegen und viel geduld mit wechselmuetigen kunden zahlten sich dann im verlauf des jahres noch fuenf weitere male aus und katapultierten sie von null direkt in den “multi million dollar sales club”. Nebenher ist sie weiterhin in der schule als class-mom aktiv und hilft beim organisieren von field trips und anderen schulaktivitaeten.

Fuer mich begann das jahr mit einem projekt in Hartford und Albany und unter hohem termindruck. Nach wochen mit bis zu 70 arbeitsstunden landete ich nach projektabschluss im april “on the beach” und geriet damit von einem extrem ins andere. Der projektlose zustand gab mir gelegenheit mich nach einem neuen job umzusehen, wobei gleichmaessigere arbeitsbelastung und weniger reisen oben auf der wunschliste standen. Nach kurzer suche bot mir Cambridge Technology Partners einen direktorposten an - ein angebot das abzulehnen zweifel an meinem geisteszustand erlaubt haette. Man bedurfte meiner hilfe in einem projekt das wie der beruehmte karren im dreck steckte. Doch damit nicht genug, der karren steckte naemlich in Greenwich (unserer sauberen heimatgemeinde), was zu einer fuer mich ungewohnten situation fuehrte: ich lebe und arbeite am gleichen ort! Ein ganz neues konzept an das ich mich gewoehnen koennte.

Ende Juni steuerten wir dann auf die hoehepunkte des jahres zu: kids in deutschland - wir in der karibik! Das kam so: Schon vergangenes jahr hatten wir den gedanken die kids alleine nach deutschland zu ihren grosseltern zu schicken, damit sie ihr deutsch wieder etwas auffrischen. Im fruehjahr ueberzeugten uns die beiden dann, dass sie fuer den langen unbegleiteten flug alt genug seien. Nachdem die fluege gebucht waren kam uns die geniale idee diese kinderlose zeit zu einer kreuzfaht durch die karibik zu nuetzen.

Am tag des abflugs der kinder standen wir dann im stau durch Queens und erreichten den flugplatz mit wehenden fahnen. Wenige minuten spaeter verschwanden unsere zwei im schlepptau eines flugbegleiters in der gangway, es blieb kaum zeit sich zu verabschieden. Etwas mulmig war uns schon zumute. Natuerlich voellig zu unrecht denn unsere zwei wurden prompt in die erste klasse befoerdert und verbrachten den flug wie die koenige. Ein zustand der sich nach der ankunft in Stuttgart noch steigerte, hatten die grosseltern doch ein unterhaltungsprogramm ausgearbeitet wie es selbst verwoehnte amerikaner nur selten geboten bekommen. Besonders genossen Tim und Ricco die moeglichkeit nach lust, laune und appetit von einem grosselternpaar zum anderen zu wechseln - beide wohnen schliesslich nur wenige schritte voneinander entfernt.

Ke und ich kreuzten derweil - der welt entrueckt - fuer eine woche an bord der MS Majesty Of The Seas zwischen Miami, Haiti, Jamaica, Grand Caiman und Mexico. Ich muss ja zugeben, dass ich dieser kreuzfahrerei zuerst etwas kritisch gegenueberstand, schien sie mir doch eher eine sache fuer aeltere semester zu sein. Welch angenehmer irrtum. Wie sich herausstellte hatten wir fuer uns mit exkursion zu lande, auf dem wasser und in der luft die ideale mischung zwischen aktivsein und erholung zusammengestellt. Wir erstiegen in Jamaica einen wasserfall, erkundeten in Grand Caiman zuerst per pedes den sieben meilen strand, dann per rundflug von oben die ganze insel und wurden bei einer rasanten jeepfahrt entlang der mexikanischen kueste ueber sandpfade und durch tiefe pfuetzen von oben bis unten nassgespritzt. Andererseits blieb am strand und auf dem schiff viel zeit zum lesen und entspannen. Und wenn wir morgens durch das bullauge unserer kabine blinselten war jedesmals ein anderes (ei)land in sicht.

Aus den tropen zurueck flogen wir ende juli nach deutschland zu einem freudigen wiedersehen mit Tim und Ricco, die inzwischen wieder fliessend deutsch sprachen (wenn auch mit einem lustigen amerikanischen akzent) sowie natuerlich mit eltern, geschwistern und freunden. Der besuch liess sich geschickt mit einem ehemaligentreffen in unserer alten schule in eislingen verbinden, zu einem wiedersehen bei dem es in wenigen stunden viel zu erzaehlen gab. Der abschied von deutschland fiel den kids nicht leicht, besonders Ricco waere gerne noch geblieben. “Germany is a great country with a weird language” resuemierte er - naechstes jahr will er sechs wochen bleiben.

Wieder zurueck in Greenwich machte ich dann einen lang gehegten traum wahr und begann zu segeln. Einem wochenendkurs hatte ich schon im juni besucht und von august bis oktober nuetzte ich jede gelegenheit fuer einen toern auf dem long island sound. Nach langen ferien begann im herbst dann wieder der "geregelte alltag" fuer die kids. Fuer Tim bedeutet die vierte klasse mehr hausaufgaben. Er entschloss sich dieses jahr saxophon zu lernen und bisher ist er ganz gut dabei. Fuer Ricco erwies sich in der zweiten klasse was schon in der ersten abzusehen war: alles ist ihm zu einfach. Eine herausforderung wird er nun hoffentlich durch das "talented and gifted" programm in mathematik bekommen fuer das er sich qualifizierte und in dem er nun besonders gefordert und gefoerdert werden soll. Beide begannen im herbst das fussballspielen und besuchen weiterhin ihren karate unterricht. Inzwischen sind sie beim blauen guertel mit gruenem streifen angelangt. Wie ihr seht geht es bei uns also weiterhin rund und daran wird sich auch in zukunft nichts aendern. Wir wuenschen euch frohe weihnachten und einen spektakulaeren start ins neue jahrtausend. Bleibt gesund und munter und lasst mal wieder von euch hoeren.

Eure vier.


1998   2000   News Übersicht